30.12.2016

Stadionsprecher auf Schalke

Er zählt zu den bekannten Schalker Gesichtern. Wer die VELTINS-Arena an einem Spieltag besucht, kommt an ihm schwer vorbei - Stadionsprecher Dirk Oberschulte-Beckmann. Wie wird man überhaupt Stadionsprecher, und was muss man dafür eigentlich können?

Mit kleiner Unterbrechung moderiert der „Quatscher“ die Heimspieltage des FC Schalke 04 seit der Saison 1993/1994. Wie es dazu kam? „Nachdem ich einen Brief an die Geschäftsstelle geschrieben hatte, weil ich ein paar Dinge am Spieltagsablauf im Parkstadion verbessern wollte, hat mich Schalke auf einen Kaffee eingeladen.“ Bei dem Treffen brachte Oberschulte-Beckmann einige Änderungsvorschläge ein: hier und da eventuell ein anderes Lied, zwischendurch vielleicht einmal ein Interview, auf dem Rasen präsent sein … „Und plötzlich wurde ich gefragt: ‚Kennen Sie denn jemanden, der das alles moderieren könnte?‘ So entstand die Idee, es eventuell einfach selbst zu versuchen.“ Seitdem ist Oberschulte-Beckmann der Quatscher – Stadionsprecher des FC Schalke 04.

Doch selbst wenn in der Arena die Lichter aus sind, dreht sich der Alltag des Moderators nur um Königsblau. Mittlerweile arbeitet Oberschulte-Beckmann fest auf Schalke. „Ich muss ja zu jedem Heimspiel können, oftmals sogar in der Woche“, sagt er. Da macht es Sinn, dass er auch montags bis freitags in seinem Büro in der Geschäftsstelle sitzt. Wenn er sich nicht auf seine Moderation vorbereiten muss, betreut er einige Unternehmen, die den S04 als Sponsoren unterstützen, oder er moderiert andere Veranstaltungen des Clubs.

Stadionsprecher, das ist kein Beruf, für den man eine gezielte Ausbildung machen kann. „Du brauchst eine gute Stimme und Spontanität. Und natürlich Schalker Herzblut, das ist ganz, ganz wichtig.“ Hat er eigentlich auch Kontakt zu den Stadionsprechern der anderen Vereine? „Na klar!“, sagt Oberschulte-Beckmann: „Wir schreiben uns regelmäßig E-Mails, weil wir uns untereinander sehr viel helfen können.“ Unter anderen entscheidend: Wie spricht man komplizierte Nachnamen neuer Spieler richtig aus? „Ich verschicke sogar Sprachnachrichten, damit unsere Jungs auswärts auch richtig ausgesprochen werden.“

Ein Heimspieltag beginnt fünfeinhalb Stunden vor Anpfiff im Büro auf der Geschäftsstelle. Zuerst bringt er die Ablaufpläne auf den neuesten Stand und schreibt die Moderationskarten zu Ende, denn auch Quatschen will vorbereitet sein. Dann geht es los in die Arena: Noch vier Stunden. Regiebesprechung im Medienbereich. Mit Technikern und Assistenten geht Oberschulte-Beckmann den Ablauf des Spieltags durch: Was erscheint wann auf dem Videowürfel? Welche Moderation findet wann wo statt? Welche Interviewpartner kommen wann zu welchem Ort? Nach der Regiebesprechung bereitet er seine Gesprächspartner vor, erläutert mit ihnen schon einmal ein paar Fragen. Wenn die Arena ihre Tore öffnet, ist der Quatscher meistens schon kurz danach zum ersten Mal live auf Sendung.

Ein Höhepunkt ist für den Stadionsprecher natürlich, die Schalker Mannschaftsaufstellung zu verlesen. Zu jedem Vornamen, den er vorlegt, brüllen Tausende Menschen den passenden Nachnamen. Doch hat Oberschulte-Beckmann nach dem Anpfiff erst einmal Sendepause? – Keinesfalls.

Auch wenn der Ball rollt, ist der Quatscher gefordert. Er sitzt ganz nah am Spielfeld und muss genau darauf achten, was auf dem Rasen passiert, und den Zuschauern wichtige Informationen per Durchsage mitteilen: Wer hat gerade eine Gelbe Karte gesehen? Wer wird für wen ausgewechselt? Wie viele Minuten Nachspielzeit zeigt der vierte Offizielle an? Natürlich vor allem: Wie steht es eigentlich, und wer hat das Tor für Schalke geschossen? Gerade bei der letzten Frage, holt sich Oberschulte-Beckmann Hilfe vom Publikum: „Schalke?“ – „Eins!“ – „Werder Bremen?“ – „Null!“ – „Danke!“ – „Bitte!“ – „Glück!“ – Auf!“ In der Halbzeitpause und auch nach Abpfiff ist er dann wieder live auf dem Videowürfel zu sehen.

Obwohl er diesen Beruf schon so lange macht, langweilig wird er nie. „Jeder Spieltag ist anders. Eine wirkliche Routine gibt es bei dieser Aufgabe nicht. Aber genau das macht ihn ja auch so spannend.“

Tags: Quatscher